Werke von Johann Sebastian Bach, Steve Reich, Dorothea Hofmann, Leon Zmelty, Eva Kuhn und Julius von Lorentz

Intimacy

Sarah Luisa Wurmer, Tajda Krajnc (Zither)

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Es Dur
erschienen in: das Orchester 3/2026 , Seite 77

Mit ihrem Debütalbum Intimacy legt die junge Musikerin Sarah Luisa Wurmer eine farbenreiche und zugleich äußerst persönliche künstlerische Visitenkarte vor. „Intimität und Musik drücken beide etwas aus, wofür uns oft die Worte fehlen“ – dieser Gedanke durchzieht das Programm wie ein innerer Leitfaden. Aus unterschiedlichen musikalischen Blickwinkeln betrachtet die Fanny-Mendelssohn-Preisträgerin 2025 das Thema Intimität und gewährt dabei auch unmittelbare Einblicke in ihr Innerstes. Das Ergebnis ist eine feine Verflechtung von Alt und Neu, eine Begegnung von Konzertzither und mongolischer Wölbbrettzither sowie das Aufeinandertreffen von Klangsprachen und -farben.
Im Zentrum steht dabei die Cellosuite Nr. 6 von J. S. Bach, welche in dieser Produktion nicht in einem Stück zu hören ist, sondern immer wieder mit den übrigen Werken der CD in Dialog tritt. Das Arrangement für Altzither besticht durch einen kraftvollen und zugleich warmen Ton und eine Fülle dynamischer Nuancen. Technische Leichtigkeit verbindet sich hier mit großer Ausdruckskraft.
Dass sich Sarah Luisa Wurmer auch in der zeitgenössischen Klangsprache wohlfühlt, zeigen die Interpretationen der eigens für dieses Projekt komponierten Werke. Den Eindruck, dass die Musikerin mit ihren Fingern tatsächlich singt, erweckt die Aufnahme von Dorothea Hofmanns Komposition für die mongolische Yatga. Der Wechsel zwischen lyrischen und tänzerischen Passagen, durchsetzt von kraftvollen Einwürfen, hebt die Facetten des Instruments hervor und erzählt eine Geschichte ganz ohne Worte.
Einen Kontrast bildet die Komposition topography of fragility. Die dichte Verwebung unterschiedlichster Klänge mit der Stimme der Künstlerin regt die Sinne an. Die Musik scheint förmlich zu atmen und eröffnet Raum für individuelle Klangassoziationen. Die Nähe zum Mikrofon und der Einsatz von Live-Elektronik ermöglichen eine expressive und dynamisch äußerst differenzierte Interpretation.
Steve Reichs Piano Phase – das letzte Stück des Albums – ergänzt abschließend noch eine weitere, völlig neue Klangfarbe. Die erstmalige Interpretation des Stücks auf zwei Diskantzithern zieht in ihren Bann. Begleitet wird Wurmer dabei von der international renommierten Musikerin Tajda Krajnc.
Das Debüt von Sarah Luisa Wurmer ist ein eindrucksvolles Statement und macht neugierig auf ihre weitere Entwicklung und zukünftige Projekte.
Claudia Höpfl

 

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