Wolfgang Amadeus Mozart

6 String Quintets on Historical Instruments

Spunicunifait

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Alpha-Classics
erschienen in: das Orchester 3/2026 , Seite 76

Vielleicht sollte man beim Anhören dieser CD-Box mit Scheibe 2 oder 3 beginnen: um den Sound richtig einzuschätzen. Wenn Cello und erste Geige im Kopfsatz von Mozarts Streichquintett C-Dur, KV 515, miteinander dialogisieren oder im anschließenden Andante die Bratschen solistisch hervortreten oder im c-Moll-Werk, KV 406, geradezu miteinander ringen, wird der spezielle Klang dieser Mozart-Neuaufnahmen deutlich: sein reiches Obertonspektrum, seine Geräuschhaftigkeit — den Darmsaiten sei Dank, und freilich auch den Interpret:innen.
Besonders die tiefen und mittleren Stimmen gewinnen hier Facetten einer — bisweilen auch unberechenbaren — Klangwelt wieder, die dem Hörer durch mehr als ein Jahrhundert Sounddesign als „unschön“ oft vorenthalten wurde. Verschüttete Qualitäten kommen hier deutlich zum Vorschein, der Reichtum an Ausdrucksmöglichkeiten. So im Menuett des
g-Moll-Quintetts, wo einen die Forte-Tutti-Akkorde nach Luft schnappen lassen: „Nur schön war gestern“, der Satz könnte von Nikolaus Harnoncourt stammen. Das Ensemble Spunicunifait fand sich zusammen, um sich den Mozart-Quintetten mit den Erfahrungen als Orchester- und Ensemblemusiker vor historisch-informiertem Hintergrund zu nähern. Dazu zählt neben der Nutzung des Vibratos allein als seltene Verzierung (nicht als Dauerzustand) und einer Themenartikulation im Sinn der „Klangrede“ vorrangig die Nutzung epochenspezifischer Instrumente und Besaitung.
„Spunicunifait“ ist ein Fantasiewort Mozarts aus den Bäsle-Briefen und lässt vermuten, dass es auch anzüglichen Charakter hat oder haben sollte. Passend dazu verläuft bei diesen Interpretationen nicht alles in geordneten, will sagen: gewohnten, etablierten, modisch angenehmen Bahnen. Es gibt Ensembles, die manchen Satz schneller oder langsamer, gefühlvoller oder schroffer spielen: Das sind Extravaganzen, denen man sich hier weitgehend enthält. Lorenza Borrani und Maia Cabeza (Violinen), Max Mandel und Simone von Rahden (Violas) sowie Luise Buchberger (Cello) halten sich an den Notentext, aber sie überinterpretieren ihn nicht – nicht bei den bekannteren, und nicht bei den weniger bekannten Werken, etwa Mozarts Quintett-Erstling in B-Dur, KV 174, der im Gegensatz zu den späteren Werken weniger komfortable Melodieführungen aufweist. Die Orientierung an der Mailänder Oper jener Zeit ist spürbar, auch die Nähe zur „kleinen“ g-Moll-Sinfonie aus dem selben Jahr, 1773. (Der alternative Finalsatz ist als Bonus auf der CD enthalten.)
Jedes dieser sechs Werke weist Besonderheiten auf, die Spunicunifait mit historisch geschulter Intelligenz und vehementem musikantischen Einsatz zur Wirkung bringt. Der außerordentliche Klang der Instrumente zeigt sich allenthalben und gibt dieser Gesamteinspielung den Status einer Referenzaufnahme.
Matthias Roth

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