Werke von Claude Debussy, Carl Nielsen, Fazıl Say und Samuel Barber

Petite Suite L. 65/Kvintet op. 42/Alevi dedeler rakı masasında op. 35/Summer-Music op. 31

Ensemble Astera

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Claves Records
erschienen in: das Orchester 2/2026 , Seite 75

Vier Jahre nach seiner Gründung 2019 gewann das französich-schweizerische Bläserquintett Astera bereits den ersten Preis beim Carl Nielsen Kammermusikwettbewerb 2023. Die Mitglieder des Ensembles haben sich bei ihrem Studium in Lausanne gefunden und sind in bekannten Orchestern in und außerhalb der Schweiz aktiv. Für ihre Debüt-CD haben sie u. a. das anspruchsvolle und inzwischen zum Standard-Repertoire gehörende Kvintet op. 42 von Carl Nielsen und die beliebte Summer-Music op. 31 des Amerikaners Samuel Barber gewählt, die beide in vielen Aufnahmen vorliegen. Neu sind dagegen die von Gordon Davies bearbeitete Petite Suite von Claude Debussy, ursprünglich ein Klavierstück, und die jüngste Komposition, das Bläserquintett op,. 35 von 2011 mit dem Titel Alevi Dedeler rakı masasında des türkischen Komponisten und Pianisten Fazıl Say.
Eine Werkauswahl, die die fünf Musizierenden, Coline Richard (Querflöte), Yann Thenet (Oboe), Moritz Roelcke (Klarinette), Gabriel Potier (Horn) und Jeremy Bager (Fagott) äußerst überzeugend präsentieren. Schon bei Debussy wird ein warmer Gesamtklang und eine optimale Ausgewogenheit hörbar. In Nielsens Quintett werden die solistischen Partien mit virtuosem Anstrich einzelner Bläser mühelos bewältigt, zugleich besticht in den Tutti-Partien die Homogenität und die Klangbalance. Es wird nichts überzeichnet, jedes Detail der Komposition wird ausgestaltet und dort, wo gefordert, wird auch mit Emphase (3. Satz) interpretiert.
In Alevi Dedeler rakı masasında beschreibt Fazıl Say eine anatolische Dorfszene: Gelehrte Alaviten-Väter diskutieren über Gott und die Welt und trinken Raki. Dass es dabei nicht immer ganz ernst zugeht, lässt auch die Musik erahnen: Im ersten Satz führt nach einer knappen Einleitung in einem lebhaften musikalischen Austausch das Fagott das Wort und muss sich gegen das Tutti behaupten. Danach bestimmen im zweiten Satz akzentuierte Staccati das Gespräch, während im dritten Satz ein eher ruhiger Austausch zwischen Klarinette und Flöte und gegenseitiger Motivfortsetzung eine größere Einigkeit suggeriert, während die melodieführende Oboe im letzten Satz leise brodelnd begleitet oder von heftigen Einwürfen gestört wird, ehe man zur Abrundung des Gesprächs auf die Anfangsmelodie zurückkommt. Das perfekte Zusammenspiel des Ensembles Astera bildet die Basis für die wirkungsvolle Interpretation dieser kurzweiligen Komposition.
Samuel Barbers Summer-Music von 1953 bleibt stilistisch der Tradition verhaftet und erfasst in mehreren Abschnitten unterschiedliche Stimmungen, in denen die Oboe eine tragende Rolle spielt, aber alle anderen Instrumente mit ihren typischen Ausdrucksmöglichkeiten die Atmosphäre mitgestalten. Dem Sujet der Musik entspricht der warme Bläserklang des Ensembles Astera in besonderer Weise.
Heribert Haase

Page Reader Press Enter to Read Page Content Out Loud Press Enter to Pause or Restart Reading Page Content Out Loud Press Enter to Stop Reading Page Content Out Loud Screen Reader Support