Georg Rudiger

HÖREN FÜR ALLE

Das Freiburger Barockorchester und Musikermediziner luden Schwerhörige und Ertaubte ins Konzert

Rubrik: Thema
erschienen in: das Orchester 2/2026 , Seite 16

Der erste Paukenschlag im Halbdunkel geht durch Mark und Bein. Die Dissonanzen von Streichern und Cembalo bedrängen, die Piccoloflöten erschrecken. Les Élémens von Jean-Féry Rebel beginnt mit „Le Chaos“. Musik als elementare Kraft – erlebbar mit dem ganzen Körper. Komponiertes Chaos, das aufwühlt.
Das Freiburger Barockorchester ist bekannt für seine plastischen, klanglich geschärften Interpretationen. Aber an diesem Nachmittag im Freiburger Ensemblehaus ist die Wirkung dieser Musik noch viel stärker. Das Publikum sitzt in der Mitte und ist umgeben vom Orchester. Jeder Besucher darf seinen Hocker dorthin stellen, wo er möchte (Ausstattung: Fenja Garbe), und während des Konzertes seinen Platz wechseln. Auch die Musikerinnen und Musiker ändern zwischen den Werken ihre Position. Die Trompeter spielen mal von hinten, mal von vorne. Die Violinen sind erst ganz nah, dann weit entfernt. Der sonst so leise, kaum wahrnehmbare Klang der Laute ist durch die geringe Hördistanz eine echte Offenbarung. Auch optisch wird das Konzert durch die Nähe zum besonderen Erlebnis. Man kann die Tonerzeugung sehen: die angespannten Gesichtsmuskeln der Bläser, die Bogenstriche und die Schlägel, die das Paukenfell in Schwingung versetzen.

Lesen Sie weiter in Ausgabe 2/2026.

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