Werke von Ludwig van Beethoven und Conradin Kreutzer

Septets

Sebastian Manz (Klarinette), Theo Plath (Fagott), Felix Klieser (Horn), Franziska Hölscher (Violine), Haesue Lee (Viola), Andrei Ioniță ­(Violoncello), Dominik Wagner (Kontrabass)

Rubrik: Rezension
erschienen in: das Orchester 1/2026 , Seite 79

Vermutlich würden nur wenige Musikerinnen und Musiker auf die Idee kommen, mit einem ad hoc zusammengestellten Streichquartett die Meisterwerke dieser Gattung aufzuführen und einzuspielen. Hier erwartet man einfach jahrelang aufeinander eingespielte Formationen, die sich hauptsächlich oder ausschließlich der Kammermusik widmen. Anders im Fall größerer und/oder ungewöhnlicher besetzter Stücke, deren Wiedergabe doch sehr viel mehr von Gelegenheit und äußeren Umständen abhängt.
Von Ludwig van Beethovens Septett op. 20 gibt es zwar zahlreiche Einspielungen, Konzertaufführungen sind aber doch nur sehr rar gesät, bei Conradin Kreutzers Opus 62 mit derselben Besetzung verhält es sich ähnlich. Dabei sind beide Werke ausgewachsene Kammermusik-Schwergewichte und bieten einem entsprechend vorbereiteten Ensemble reichlich Gelegenheit zur musikalischen Gestaltung. Das von der Geigerin Franziska Hölscher zusammengestellte Septett jedenfalls hinterlässt einen äußerst gut vorbereiteten Eindruck auf dieser vom Bayerischen Rundfunk produzierten CD und muss dabei nicht einmal in der Sinfonik oder dem romantischen Virtuosentum größere Anleihen machen. Beide Stücke mit ihren jeweils sechs Sätzen sind in der Interpretation der illustren Gruppe aus hochkarätigen Orchestermusiker:innen und Solist:innen feinste Kammermusik mit klaren, durchhörbaren Strukturen und einem überzeugenden, hervorragend ausbalancierten Gesamtklang.
Besonders zwingend wirkt der Ansatz von Hölscher, Manz, Klieser & Co. in den Ecksätzen. Hier hört man deutlich, wie gleichberechtigt Motorik und Tongestaltung sind, und das ganze Septett reagiert wie ein kompakter Organismus, wenn – wie zum Beispiel im Beethoven-Kopfsatz – einmal das Tempo angezogen wird. Den gemeinsamen Atem spürt man auch in den beiden wunderbar ausgesungenen Adagio-Sätzen, in denen die vortreffliche Spielkultur gerade auch der Bläser für sehr viel Geschlossenheit sorgt.
Ein wenig zupackender hätten die sieben Solistinnen und Solisten in den serenadenhafteren Binnensätzen musizieren dürfen. Und ein paar klangliche Ecken und Kanten und etwas größere dynamische Kontraste hätten sicher helfen können, die beiden durchaus umfangreichen Septette noch etwas kurzweiliger wirken zu lassen.
Ebenfalls auf dem Wunschzettel hätte sich ein umfangreicheres, informativeres Beiheft befunden; ein englischer Text allein, verfasst von einem deutschen Autor, der noch dazu das Horn bei den Holzbläsern einsortiert, wirkt da etwas sparsam.
Daniel Knödler

Page Reader Press Enter to Read Page Content Out Loud Press Enter to Pause or Restart Reading Page Content Out Loud Press Enter to Stop Reading Page Content Out Loud Screen Reader Support