Sebastian Fagerlund
Autumn Equinox/Arcantio/Sky II
Niek de Groot (Kontrabass), Lapland Chamber Orchestra, Ltg. John Storgårds
Autumn Equinox – auf Deutsch: Herbst-Tagundnachtgleiche – ist bereits das elfte Album des 1972 in Pargas (Finnland) geborenen Komponisten Sebastian Fagerlund, das exklusiv beim schwedischen Label BIS erschienen ist. Es reiht sich in jeder Hinsicht ein in die Liste der älteren (SA)-CDs, sowohl was das durchweg hohe interpretatorische Niveau der Darbietungen betrifft, als auch im Hinblick auf die Namen der Werke. Denn sieht man einmal von Fagerlunds 2006 vollendetem Klarinettenkonzert ab, das den Beginn einer Reihe von Konzerten für unterschiedliche Instrumente markiert und mit dem er auch international berühmt wurde, tragen (fast) alle späteren Kompositionen von ihm mehr oder weniger „sprechende“ (Ein-Wort-)Titel. Nicht nur in dieser Hinsicht muss ich bei Fagerlund oft an den estnischen Komponisten Erkki-Sven Tüür denken, der seinen Werken ähnlich konzise Titel verleiht und damit einen vagen Assoziationsraum entwirft. Auch die Musiksprache der beiden „Nordlichter“ ist ähnlich, wobei diejenige Fagerlunds konzilianter und, bei aller (Post-)Modernität der eingesetzten Kompositionsverfahren, konventioneller ist als die seines estnischen Kollegen.
Dass Fagerlund auch sonst der Tradition verpflichtet bleibt, wird deutlich in seinem 2016 vollendeten Oktett Autumn Equinox, das nicht nur qua seiner Besetzung (Klarinette, Fagott, Horn, 2 Violinen, Viola, Cello, Kontrabass) dem großen Vorbild Schubert folgt, sondern auch sonst in dessen Spuren wandelt. Entstanden ist das Werk im Umfeld von Fagerlunds Oper Höstsonaten, und es verarbeitet Material dieser Oper. Charakteristisch für das – im besten Sinne sofort eingängige – Oktett sind seine vielen langen „schubertschen“ Melodiebögen. Das Werk ist überaus delikat instrumentiert und es bewegt sich, auch hierin Schubert-ähnlich, souverän auf der Grenze von Kammer- und Orchestermusik.
Regelrecht süchtig machende Klänge begegnen uns im Konzert für Kontrabass und Kammerorchester Arcantio (2023). Der Titel ist laut Fagerlund eine Mixtur aus Archaik und Cantus (Lied). Das Werk besteht aus Variationen, die fließend ineinander übergehen, und es ist kongenial auf den Kontrabass „zugeschnitten“. Die urweltlich-tiefseehafte Melodie im „Lento, con anima“ ist eine Art musikalische „Ursuppe“, in der das Werk am Schluss wieder versinkt.
Bei Sky II (2023) handelt es sich um eine Bearbeitung für moderne Instrumente des ursprünglich 2008 für ein zehnköpfiges Barockensemble komponierten Werks. In seiner lebhaft-minimalistischen Art und Motorik unterscheidet es sich deutlich von den beiden vorangegangenen Stücken und setzt einen starken, „wilden“ Schlusspunkt unter das Album.
Die Interpret:innen, allen voran der Kontrabassist Niek de Groot, machen einen fantastischen Job. Und da auch die Akustik dieses Super-Audio-Albums (wieder) keine Wünsche offenlässt, setzt es die Reihe der Fagerlund-Werke beim Label BIS auf gewohnt hohem Niveau fort.
Burkhard Schäfer


