Werke von Dmitri Schostakowitsch und Benjamin Britten

Cellokonzert Nr. 2 op. 126/Cellosonate in d-Moll op. 40/Cellosonate C-Dur op. 65

Sheku Kanneh-Mason (Violoncello), Isata Kanneh-Mason (Klavier), Sinfonia of London, Ltg. John Wilson

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Decca
erschienen in: das Orchester 1/2026 , Seite 75

Sein Debüt bei Decca feierte Sheku Kanneh-Mason mit Schostakowitschs erstem Cellokonzert. Jetzt hat sich der 26-jährige Brite gemeinsam mit der Sinfonia of London unter John Wilson dem düsteren zweiten Konzert gewidmet, das der Komponist für Mstislaw Rostropowitsch schrieb – und erzielt von Beginn an mit dosiertem Vibrato und einer breiten klanglichen Farbpalette eine Eindringlichkeit, die berührt. Zwischen seinem großen, dunklen Ton auf der C-Saite und dem schlanken, hellen auf der A-Saite liegen Welten. Aber auch mit den vielen farblichen Abstufungen gelingt es Kanneh-Mason, die verschiedenen Ebenen von Schostakowitschs Musik zum Klingen zu bringen. Der groteske zweite Satz hat schwarzen Humor und entfaltet eine Heiterkeit, der man nicht trauen kann. Die Glissandi sind keine Jauchzer, sondern Störfeuer. Dirigent John Wilson staut die rhythmische Energie, was dem Satz Profil verleiht. Nur im Finale wünscht man sich bei den versetzten Orchestereinsätzen ein noch dichteres Musizieren. Das gegenseitige Ins-Wort-Fallen wird etwas ausgebremst. Der Satz wechselt zwischen Eskalation und Kontemplation – beides kann der Cellist umsetzen. Und wenn das Finale am Ende seine Energie verliert, wird die zunehmende Erschöpfung von Dirigent John Wilson mit der Sinfonia of London überzeugend umgesetzt.
In der Cellosonate op. 65 von Benjamin Britten, der mit Schostakowitsch befreundet war und dieses Werk ebenfalls für Rostropowitsch komponierte, überzeugt Kanneh-Mason im perfekten Zusammenspiel mit seiner Schwester Isata (Klavier) mit brillanter Pizzicato-Technik im Scherzo. Die Elegia entfaltet auch im Leisen Intensität, in der Marcia lässt Kanneh-Mason sein Cello ganz nah am Steg eisig und schneidend klingen. Das bogentechnisch anspruchsvolle Presto-Finale hat Wucht und Witz – und ein grandios musiziertes Finish.
Aufgenommen wurde das Werk in der Snape Maltings Concert Hall in Aldeburgh, in der im Juli 1961 auch die Sonate uraufgeführt wurde. Die Charakterisierungskunst von Sheku und Isata Kanneh-Mason macht auch aus Schostakowitschs früher d-Moll-Sonate op. 40 ein packendes Drama mit doppeltem Boden. Die besonders im ersten Satz immer wieder beschworene, mit sonorem Celloton untermalte Idylle ist gefährdet. Im Largo lässt der Cellist das Instrument besonders am Anfang ganz fahl klingen.
Isata Kanneh-Mason ist eine hochmusikalische Klavierbegleiterin, die mit ihrem Bruder gemeinsam atmet und im Diskant klanglich zaubert. Das so harmlos beginnende Finale birgt in den überdrehten Klavierläufen und dem plötzlich ausbrechenden Cello echte Anarchie, kehrt aber wieder zum schönen Schein zurück. Ein Balanceakt, den das Geschwisterpaar perfekt austariert.
Georg Rudiger

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