Gustav Mahler

Symphonie Nr. 1

Tonhalle-Orchester Zürich, Ltg. Paavo Järvi

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Alpha
erschienen in: das Orchester 1/2026 , Seite 75

Es ist erst einige Monate her, dass bei Alpha Classics eine CD von Gustav Mahlers 5. Symphonie mit dem Tonhalle-Orchester Zürich unter der musikalischen Leitung von Paavo Järvi veröffentlicht wurde. Diese Pub­likation hinterließ einen guten Eindruck und weckte das Verlangen nach weiteren Mahler-Einspielungen dieses hochkarätigen Orchesters unter diesem Dirigenten. Nun ist dieser Wunsch in Erfüllung gegangen. Mit einer durch und durch gelungenen Aufnahme von Mahlers 1. Symphonie haben Paavo Järvi und das Tonhalle-Orchester Zürich ihren Mahler-Zyklus auf CD fortgesetzt.
Mahler hat seine 1. Symphonie zwischen Januar und März 1888 in Leipzig komponiert. Seine Uraufführung erlebte der „Titan“, wie Mahler dieses Orchesterstück in Anlehnung an den gleichnamigen Roman des von ihm hoch verehrten Jean Paul zuerst nannte, im Jahre 1889 in Budapest in Form einer Symphonischen Dichtung. Eine weitere Aufführung erfolgte 1893 in Hamburg. Aber erst mit der Drucklegung des Werks sechs Jahre später erhielt Mahlers symphonischer Erstling seine bis heute bekannte viersätzige Form. Hört man sich den „Titan“ an, wird deutlich, dass er einerseits bereits zahlreiche musikalische Wesenszüge des späteren Mahler aufweist, andererseits aber noch spürbar in der Tradition Beethovens, Brahms’ und Bruckners steht. Und gerade diese Tatsache ist es, die das Stück interessant macht.
Es ist wohl nicht übertrieben, wenn man angesichts der vorliegenden CD von einem echten Hörgenuss spricht. Paavo Järvi, dem Mahler augenscheinlich stark am Herzen liegt, hat hier ganze Arbeit geleistet. Zusammen mit dem bestens disponierten, seine Anweisungen konzentriert und klangschön umsetzenden Tonhalle-Orchester Zürich schwelgt er genüsslich in Mahlers imposanten Klangwogen, die er indes geschickt zu mäßigen weiß. Bei aller Dramatik des Orchesterklangs geht Järvis Interpretation Pathos gänzlich ab, was indes kein Fehler ist. Die lyrischen Passagen erklingen unter seiner umsichtigen Leitung ungemein fein, zart und grazil. Dramatische Stellen werden vom Dirigenten zwar durchaus kraftvoll ausgekostet, aber niemals überstrapaziert. Alles erklingt wie aus einem Guss, wobei der Dirigent es ausgezeichnet versteht, die Zwischentöne von Mahlers Partitur herauszuarbeiten und in der Folge ausgesprochen subtile Stimmungsbilder zu erzeugen. Daraus resultiert eine sehr differenzierte und nuancenreiche Wiedergabe der Musik, die an keiner Stelle in Routine abzudriften droht, sondern stets energisch vorwärts drängt und zudem perfekt ausbalanciert ist. Und um große Spannungsbögen ist Järvi ebenfalls nicht verlegen. Insgesamt haben wir es hier mit einer sehr empfehlenswerten Aufnahme zu tun, die Freude bereitet.
Ludwig Steinbach

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