Brahms, Johannes / Richard Strauss

Sinfonie Nr. 1 c‑Moll op. 68 / Tod und Verklärung op. 24

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Musicaphon M 56936
erschienen in: das Orchester 01/2014 , Seite 78

Der Schweiz­er Diri­gent Roman Brogli-Sach­er hat seit 2001 als Gen­eral­musikdi­rek­tor und später auch als Operndi­rek­tor am The­ater in Lübeck mit dem Phil­har­monis­chen Orch­ester zwölf Jahre zusam­mengear­beit­et. In dieser Zeit hat das Orch­ester, das nur über 66 Planstellen ver­fügt, mehrfach CD-Livemitschnitte sein­er Konz­erte vorgelegt und durch die DVD-Pro­duk­tion von Richard Wag­n­ers Der Ring des Nibelun­gen, die mit einem Echo-Klas­sik-Preis aus­geze­ich­net wurde, auf sich aufmerk­sam gemacht. Das Werk von Richard Strauss ist bei den Konz­ert-Mitschnit­ten beson­ders häu­fig vertreten. Es ist ein Reper­toire-Schw­er­punkt Brogli-Sach­ers, der am The­ater auch die Opern Salome und Ara­bel­la ein­studiert hat.
Die Ver­trautheit mit der Aus­druck­swelt von Richard Strauss zeigt sich so auch in der Sin­fonis­chen Dich­tung Tod und Verk­lärung, in der das Lübeck­er Orch­ester mit großer Inten­sität, Lei­den­schaft und Präzi­sion beein­druckt. Brogli-Sach­er gestal­tet große Span­nungs­bö­gen und gibt dem Orch­ester die Möglichkeit zur klan­glichen Opu­lenz. Dabei ist die Homogen­ität des run­den und war­men Stre­icherk­langs her­vorzuheben. Beein­druck­end ist auch die Sicher­heit der Blech­bläser­gruppe. Die Solopar­tien der Holzbläs­er sind durch­weg überzeu­gend, die Präsenz und damit die klang­far­bliche Wirkung des Holzbläser­satzes kom­men am besten in den mit­tleren Dynamik­bere­ichen zur Gel­tung. Im Orch­ester­tut­ti wer­den sie aber von der Auf­nah­me­tech­nik benachteiligt. Hier gelingt es nicht, für genü­gend Trans­parenz zu sor­gen.
Dies ist auch lei­der bei der Live-Auf­nahme der Sin­fonie Nr. 1 von Johannes Brahms aus dem Jahr 2010 zu kon­sta­tieren. Brogli-Sach­er wählt hier wie auch bei Strauss angemessene Tem­pi, die ein emo­tion­al erfülltes Spiel zulassen. Seine Inter­pre­ta­tion ist zunächst noch etwas sta­tisch, gewin­nt aber zunehmend an Span­nung und Ein­dringlichkeit. Brogli-Sach­ers Brahms ist kraftvoll, achtet auf die große Lin­ie und wird sehr ger­adlin­ig musiziert. Für größere Rubati gibt es fast keinen Spiel­raum. Die dynamis­chen Vor­gaben wer­den nicht immer opti­mal real­isiert, sodass einige kom­pos­i­torische Fein­heit­en nicht ganz zur Gel­tung kom­men. Die bestens disponierten Stre­ich­er – mit ihrem im Vio­lin­so­lo des zweit­en Satzes beson­ders klangschön spie­len­den Konz­ert­meis­ter – und die Tonkul­tur der Bläs­er sor­gen aber ins­ge­samt für einen äußerst pos­i­tiv­en Gesamtein­druck dieses Live-Mitschnitts des Phil­har­monis­chen Orch­esters der Hans­es­tadt Lübeck, das unter dem 2013 schei­den­den Gen­eral­musikdi­rek­tor Roman Brogli-Sach­er nach zwölfjähriger Tätigkeit ein sehr hohes Niveau erre­icht hat.
Herib­ert Haase