Elgar, Edward

Serenade op. 20 für Streicher

hg. von Christopher Hogwood, Urtext, Partitur

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Bärenreiter, Kassel 2010
erschienen in: das Orchester 04/2011 , Seite 67

Elgars Ser­e­nade für Stre­ich­er zählt neben den Ser­e­naden von Grieg, Tschaikowsky und Dvorák zu den zen­tralen und beliebtesten Werken für Kam­merorch­ester. Elgar kom­ponierte das Werk am Anfang sein­er Kar­riere, als er sich in Worces­ter niederge­lassen hat­te, wo er Vio­li­n­un­ter­richt gab und mit dem dor­ti­gen Laienorch­ester seine Werke auf­führen kon­nte.
Der Bären­re­it­er-Ver­lag gewann für die Neuaus­gabe den Spezial­is­ten für his­torische Auf­führung­sprax­is Christo­pher Hog­wood, der die akribis­che, philol­o­gisch kor­rek­te, möglichst dem Auto­graf nahe Werkedi­tion, die im Bere­ich der his­torischen Auf­führung­sprax­is und der alten Musik Schule machte, nun auf die Musik des 19. Jahrhun­derts anwen­det.
Hog­wood macht den Musik­er, der sich mit Elgars Werk beschäfti­gen will, in der Ein­führung mit den Umstän­den der Entste­hung, mit ersten Auf­führun­gen im Laienorch­ester von Worces­ter, der schwieri­gen Ver­lagssuche und den ersten pro­fes­sionellen Auf­führun­gen bekan­nt. Für den an „his­torisch­er“ Auf­führung­sprax­is inter­essierten Musik­er gibt er auch den Hin­weis auf die von Elgar selb­st geleit­ete Schallplat­te­naufze­ich­nung aus dem Jahr 1933. Dort kann gehört wer­den, dass Elgar die Tem­pi nicht genau entsprechend sein­er eige­nen Metrono­mangaben wählte, kein kon­tinuier­lich­es Vibra­to ein­set­zte und den Por­ta­men­to-Stil pflegte.
Hog­wood hält sich bei der Note­naus­gabe streng an die Quellen, die im Edi­tions­bericht angegeben wer­den. Wer sich die Mühe machen will sie einzuse­hen, erhält hier die genauen bib­li­ografis­chen Angaben. Da die auto­grafe Par­ti­tur des Werks wahrschein­lich ver­nichtet wurde, stützt sich Hog­wood auf die erste gedruck­te Aus­gabe bei Bre­itkopf & Här­tel aus dem Jahr 1893. Als weit­ere Quellen zog er Skizzen­büch­er und das Auto­graf der Fas­sung für Klavier­duett her­an. Im kri­tis­chen Kom­men­tar gibt Hog­wood akribisch Rechen­schaft über Unter­schiede zwis­chen den ver­schiede­nen Quellen. Man kann sich so im Zweifels­fall ein genaues Bild über die Quel­len­si­t­u­a­tion machen, ohne die Bib­lio­thek kon­sul­tieren zu müssen.
Der Noten­text der Par­ti­tur ist sehr klar, aus­re­ichend groß gedruckt und über­sichtlich ein­gerichtet. Bei den Angaben zu Laut­stärke, Akzen­ten und Bogen­strichen hält sich Hog­wood an die Primärquelle. Wenn in den Quellen unter­schiedliche Angaben zur Artiku­la­tion erscheinen, gibt er diese als Alter­na­tive durch eine Strichelung an.
Hog­woods Edi­tion erfüllt alle Erwartun­gen, die man in eine Urtext-Aus­gabe haben kann. Sie gibt dem Musik­er das Noten­ma­te­r­i­al in die Hand, um auf­grund der Ken­nt­nis des unver­fälscht­en und philol­o­gisch
genau erar­beit­eten Noten­textes einen eige­nen Zugang zu diesem Werk zu suchen.
Franzpeter Mess­mer