Werke von Peter Hauser, Nathan Stornetta, Christoph Zirngibl, Sharon Farber, Oleg Troyanovsky, David Kudell u. a.
Hope. 12 Prayers for Cello and Orchestra
Andreas Graf (Cello), London Symphony Orchestra, Ltg. Ben Palmer
Ein Cello kann jubilieren, granteln, brummen, weinen, scherzen, säußeln, kreischen, quietschen, schnurren, schmeicheln, singen, atmen und noch viel mehr. Sonore, warme Klänge lassen sich ihm ebenso entlocken wie kühle und sein Dynamikumfang reicht vom leisesten Pianissimo bis zum überbordenden Fortissimo. Für dieses Universalinstrument plus Orchester ließ der Schweizer Andreas Graf von zwölf erfahrenen Filmmusikkomponist:innen ein Dutzend Stücke komponieren, keines länger als 4:31 Minuten und keines kürzer als 2:52 Minuten. Als „12 Prayers for Cello and Orchestra“ fasst er die Absicht im Untertitel des Hope genannten Albums zusammen. Sämtliche Erlöse, heißt es auf einer Homepage zum Projekt, kommen der Organisation „Save the Children“ zur Unterstützung von Kriegsopfern zugute.
Die zwölf Kompositionen hat Graf zum Soundtrack einer fiktiven Erzählung gereiht. Aufsteigende Linien, kurze Abstürze und ein erneuter Aufbau bis zum zarten Ende prägen das von Peter Hauser komponierte Titelstück Hope. The Frozen King von Nathan Stornetta leitet mit tragischem Cello und kurzem Choreinsatz zum weitgehend heroisch angelegten Every Child Has a Right to Dream von Christoph Zirngibl und dem von einer nahezu unendlichen Cellomelodie im füllig-bewegten Orchesterbett geprägten Echoes of Eternity von Sharon Farber über. Durch Oleg Troyanovskys Unknown Story schimmern Bruchstücke des jiddischen Lieds Donna Donna, das auf den Transport der Juden in die Konzentrationslager anspielt. Die Antwort: Ein melancholisch-dramatisches Farewell von David Kudell und ein düsteres Perspective Shift von Andrew Morgan Smith.
Teilweise Entspannung bringen die über Orchesterplüsch schwebenden Cellomelodien in A-Dieu von Patrick Kirst. Mit Solace von Kathryn Bostic beginnt – so der im Blog zum Gesamtwerk abgebildete Gesamtplan – die Wiedergeburt. Tatsächlich hellt sich der Klangbereich auf und lässt dem Cello Raum zu verhaltenem Jubilieren. To Those We’ve Lost von Tomasz Jakub Opalka schafft einen düsteren Rückblick. Doch die Erlösung naht mit den von aufstrebenden Linien geprägten, vom Orchester zurückhaltend untermalten Cellomelodien in Tom Roberts’ A Promise und Sara Barones von mystischen Sounds eingeleiteten, auf eine fulminante Klimax zustrebenden Grace of the World – die Krönung des insgesamt von filmmusikalischem Denken bestimmten Programms.
Auch dieses letzte Stück gibt Graf kaum Gelegenheit, die Bandbreite der Celloklänge jenseits dezent angedeuteter Gefühlslagen aufzufächern, zumal Ben Palmer, der viele Soundtrackkonzerte dirigierte, dem Hope-Zyklus mit dem London Symphony Orchestra einen bei Filmmusik üblichen üppigen Breitwandsound verleiht. Werner Stiefele

