Werke von Kalliwoda, di Lasso, Orff und anderen

Dialoge

Duo ASAP – Almuth Siegel & Ágnes Pusker (Violinen)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Tyxart
erschienen in: das Orchester 1/2019 , Seite 73

Es erklin­gen nur zwei Vio­li­nen, und doch ist auf dieser CD des Duos ASAP eine enorme Band­bre­ite an Musik zu erleben: eine zweis­tim­mige Reise durch Jahrhun­derte und Musik­stile, in der gesun­gen und getanzt, herzhaft und zupack­end gefiedelt und ein­fühlsam und zart gestrichen wird. Almuth Siegel und Ágnes Pusker, die dem Duo ASAP mit ihren Ini­tialen den Namen geben, bewe­gen sich dabei stil­sich­er von der Renais­sance, in dem ihre Instru­mente tat­säch­lich wie aus der Alten Musik entliehen klin­gen, bis hin zu zeit­genös­sis­chen Sait­en­sprün­gen, in denen es auch ruhig ein­mal derb wie auf einem dör­flichen Tanz­bo­den zuge­hen darf.
Eine der schwierig­sten Übun­gen zeigen die bei­den Geigerin­nen gle­ich zu Beginn. In Johann Wen­zel Kalli­wodas Duett op. 181 Nr. 1 klingt nichts nach Etüde. Im Gegen­teil – ger­ade in den Eck­sätzen entwick­elt das Werk unter den Fin­gern von Almuth Siegel und Ágnes Pusker einen ganz erhe­blichen konz­er­tan­ten Dri­ve. Da ist alles blitzsauber aus­phrasiert, sind Spiel­tech­niken her­rlich dif­feren­zierend einge­set­zt und bei­de Stim­men liefern sich einen erfrischen­den musikalis­chen Wettstre­it. Im zen­tralen Ada­gio dage­gen sin­gen die Vio­li­nen ein ger­adezu opern­reifes Duett.
Gut passen zu Kalli­wodas Duett auch die bei­den Werke von Max Zenger und Robert Fuchs. Zengers kurze Sonate „kom­poniert im alten Stil“ ist dabei mehr der Klas­sik zuge­wandt, während sich die drei Phan­tasi­estücke op. 105 von Fuchs dezent nach Frühro­man­tik anhören. Dem Duo ASAP gelingt es in bei­den Fällen, die kaum je gehörten Stücke natür­lich und unangestrengt fließen und wie große Musik klin­gen zu lassen.
Beim kün­st­lerischen Anspruch von Almuth Siegel und Ágnes Pusker darf es natür­lich auch noch etwas vir­tu­os­er wer­den. Zwei zeit­genös­sis­che Kom­po­si­tio­nen run­den eine auch klan­glich aus­geze­ich­nete CD ab, die Tour de Force durch die Lit­er­atur für Vio­lin­duo und Demon­stra­tion des Kön­nens dieser jun­gen For­ma­tion zugle­ich ist. Wol­fram Buchen­bergs Sait­en­tänze für zwei Vio­li­nen spie­len mit Rhyth­men und Klän­gen, nutzen die bei­den Stre­ichin­stru­mente in ihrer gesamten klan­glichen Band­bre­ite und hal­ten im finalen „Tanz der wilden Weiber“ auch ein paar über­raschende vokale Effek­te bere­it.
In Wil­fried Hillers Meta­mor­pho­sen nach Bildern und Skulp­turen von Antje Tesche-Mentzen (die im gut gemacht­en Book­let abge­bildet sind) und Tex­ten ver­schieden­er Autoren tritt zu den zwei Geigen noch ein Sprech­er hinzu.
Die Verbindung von Musik, Bilden­der Kun­st und Lit­er­atur mag den Rah­men von 18 Minia­turen jew­eils mit ein­er Spiel­d­auer von ein­er bis drei Minuten fast spren­gen, doch Wil­fried Hiller schafft es, seine „Bilder ein­er Ausstel­lung“ abwech­slungsre­ich, aber nicht kurzat­mig sowie pointiert, aber nicht ober­fläch­lich wirken zu lassen. Ste­fan Hun­stein als Sprech­er und die bei­den Geigerin­nen des Duos ASAP führen per­fekt artikulierend und klang­mächtig durch diese far­ben­re­iche Ausstel­lung.
Daniel Knödler