Spahn, Claudia
Pillen oder Prophylaxe?
Musikermedizin heute
Was hat sich in den vergangenen Jahren beim Thema “Musikergesundheit” getan? Wo stehen wir heute und welche Aufgaben liegen vor uns?
Was hat sich in den vergangenen Jahren beim Thema “Musikergesundheit” getan? Wo stehen wir heute und welche Aufgaben liegen vor uns?
Die psychische Befindlichkeit spielt im Orchesterberuf durch die räumlich und inhaltlich enge Zusammenarbeit der Musiker und die zur Berufsausübung notwendige hohe Sensibilität eine besondere Rolle. Das soziale Klima und die Kommunikation unter Musikern und zwischen Musikern und Dirigent können einerseits zu Belastungen führen, aber im positiven Fall auch maßgebliche Ressourcen darstellen. Ähnlich verhält es sich hinsichtlich des Umgangs mit Lampenfieber.
?Hören ist für Musiker in ganz besonderer Weise wichtiger Teil ihrer Berufsausübung. Das Gehör des Menschen ist ein beeindruckendes Instrument, welches die Klänge, die wir produzieren, in hochdifferenzierter Weise aufnehmen kann. Als Musiker ist es interessant, Aufbau und Funktionsweise des Ohrs zu kennen, um es als kostbares Organ wahrzunehmen und zu verstehen, wie bei eingetretenen Höreinschränkungen technische Möglichkeiten, also Hörgeräte, hilfreich eingesetzt werden können
Scott Sandmeier ist Dirigent und seit 2000 Professor für die Dirigentenklasse sowie ständiger Leiter des Hochschulorchesters an der Hochschule für Musik Freiburg.
Aufwärmübungen sind langweilig, und Jugendliche haben sowieso keine Lust auf Prävention? Mitnichten! Bei einigen Jugendorchestern gehören Workshops und Vorträge zum Thema Musikergesundheit und Musikphysiologie inzwischen zu den Probenphasen dazu. Doch wie wird dieses wichtige Thema von den Jugendlichen aufgenommen, welche Unterrichtsmodelle haben sich bewährt und wie sehen Zeitplanung und Finanzierung aus?
Nur ein körperlich und mental gesunder Musiker kann die hohe Leistung bringen, die das Publikum und er selbst von sich erwarten. So selbstverständlich das erscheinen mag, so stellt die praktische Umsetzung von gesundem Verhalten im Orchester doch oft eine Herausforderung dar. Christian Fausch, seit August 2012 Geschäftsführer der Jugend Deutschen Philharmonie (JDPh) erläutert, was ihm und den Orchestermitgliedern in punkto Musikergesundheit am Herzen liegt.
Die hohen beruflichen Anforderungen und gesundheitlichen Belastungen von Musikern werden mittlerweile anerkannt und respektiert. Die Musiker selbst werden sich der Anforderungen ihres Berufs und der Notwendigkeit zur Prävention zunehmend mehr bewusst. Wie sieht es aber in anderen Berufen hinsichtlich der Belastungsmomente und Schutzfaktoren aus und was lehrt uns ein Blick über den Orchestergraben?
Für werdende Mütter gilt: Sie sollten ihren Arbeitgeber über ihre Schwangerschaft informieren, sobald sie selbst sicher sind, schwanger zu sein. Sodann regelt das Mutterschutzgesetz die nächsten Wochen. Schließlich müssen Mutter und ungeborenes Kind geschützt werden. Zum Beispiel vor “Lärm” und vor abendlicher wie nächtlicher Unruhe. Auch Orchestermusikerinnen genießen die Rechte des Mutterschutzgesetzes. Mitunter wünschen sie jedoch Ausnahmen und würden gerne länger, d.h. näher an den errechneten Geburtstermin heran, arbeiten. Geht das?
Auslandstourneen und Gastspielreisen sind für jedes Orchester eine organisatorische und logistische Herausforderung und müssen lange im Voraus geplant werden. An alle Eventualitäten sollte man dabei schon denken. Aber kann man sich wirklich hundertprozentig vorbereiten, jedes Risiko in den Griff bekommen? Zumal dann, wenn die Tournee in Landstriche führt, von denen vorn vornherein klar ist, dass man mit unvorhergesehenen Ereignissen konfrontiert sein könnte?
Westliche Klassik hat es im einst womöglich östlichsten Land der EU nicht eben leicht. Vom Publikum begehrt, von der Regierung beargwöhnt existiert sie in permanent schwierigem Spannungsfeld und blüht nur unter besonderem Schutz. Das Istanbul Music Festival ist ein solches kleines Paradies, in dem Künstler frei arbeiten können und mitunter gar gegen Angriffe von außen bewahrt werden. Und es ist eines der großen Aushängeschilder europäischer Klassik in der heutigen Türkei.