Brinker, Henry C.

Klassik zwischen Kunst und Kommerz

Orchester und Marketing

Rubrik: Aufsatz
erschienen in: das Orchester 03/2006 , Seite 08

Feu­dale Herrschaftsver­hält­nisse mit ihrer höfis­chen Pflege der Kün­ste liegen weit zurück und auch die Bürg­erge­sellschaft tra­di­tioneller Prä­gung ord­net sich völ­lig neu. Die Kirchen als religiöse Stifter und Auf­tragge­ber spie­len nur noch eine unter­ge­ord­nete Rolle. Geblieben sind kul­turelle Güter wie die tradierten Struk­turen unser­er Orch­ester­land­schaft. Manch großer Klangkör­p­er, so will es scheinen, trauert als taumel­nder Dinosauri­er in ein­er ihm fremd gewor­de­nen Welt der ver­lore­nen Zeit hin­ter­her. Aus Musik­ern, die als gesuchte Kün­stler früher unter ver­schiede­nen Ange­boten auf Anstel­lung auswählen kon­nten, sind Vertreter ein­er Zun­ft gewor­den, die nun einen his­torisch ein­ma­li­gen Per­spek­tiv­en- und Rol­len­wech­sel vol­lziehen müssen. Denn aus den Umwor­be­nen sind selb­st Wer­ber gewor­den, die sich auf die Suche machen müssen: nach Pub­likum, nach Aufträ­gen, ja sog­ar nach ein­er neuen, grundle­gen­den Legit­i­ma­tion ihrer öffentlich finanzierten Exis­tenz. Welche Rolle spielt hier­bei das Marketing?