Unterwegs mit Schumann

Ein Reisebegleiter für Musikfreunde, für das Schumann-Netzwerk hg. und bearbeitet von Ingrid Bodsch

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Verlag Stadtmuseum Bonn, Bonn 2009
erschienen in: das Orchester 02/2011 , Seite 66

Schon der erste Blick ver­rät alles über dieses nette Buch: Wir haben es mit einem Schu­mann-Baedek­er zu tun. Einzelne Auf­sätze ver­mit­teln dem heute auf Schu­manns Spuren Reisenden Infor­ma­tio­nen über Zwick­au, Leipzig, Hei­del­berg, Dres­den, Düs­sel­dorf, Bonn. Es wer­den Wege in Ital­ien, Öster­re­ich, Rus­s­land oder Hol­land beschrieben, die Robert Schu­mann allein oder mit sein­er Frau gereist ist. Man kann die Wege nach­schre­it­en, ehrfurchtsvoll an einzel­nen Sta­tio­nen, an Wohn­häusern, Konz­ert­sälen oder Kaf­fee­häusern ver­weilen und Sight­see­ing der etwas anderen Art betreiben.
Die Autoren sind zumeist sehr eng mit den jew­eili­gen Schu­mann-Stät­ten der Schu­mann-Städte ver­bun­den. So lässt es sich die Her­aus­ge­berin des Ban­des, die Lei­t­erin des Bon­ner Stadt­mu­se­ums, Ingrid Bod­sch, nicht nehmen, selb­st Schu­manns Besuche in Bonn und seinen Aufen­thalt in Endenich zum Nach­wan­dern aufzu­bere­it­en. Eben­so über viele Jahre intim ver­traut mit Schu­mann und seinen Orten schrieben Ute Bär den Artikel für Zwick­au, Petra Dießn­er für Leipzig und Dres­den, Irm­gard Knecht­ges-Obrecht für Düs­sel­dorf, Köln und Aachen, die Schu­mann-Koryphäe Gerd Nauhaus für ver­schiedene Reisen. Gewon­nen wer­den kon­nte auch die öster­re­ichis­che His­torik­erin Klar­alin­da Ma-Kirch­n­er für die nicht uner­he­bliche Schumann’sche Lebenssta­tion Wien. Zwei jun­gen Schu­mann-Forsch­ern, Wolf­gang Sei­bold (Hei­del­berg) und Sigrid Lange (Umge­bung Bonns), wurde die Möglichkeit ein­er Präsen­ta­tion geboten.
Durch die Beto­nung des Touris­tis­chen erfährt der Leser jedoch let­zendlich zu Schu­mann und seinem Werk in diesen zwölf Tex­ten in der Regel sehr wenig. Durch das Nach­wan­der-Konzept verblassen die Texte in vie­len Pas­sagen zu reinen Aufzäh­lun­gen. Tage­buchaufze­ich­nun­gen wer­den zitiert, viel Wis­senswertes aus Sozial- und Kul­turgeschichte des 19. Jahrhun­derts wird zusam­menge­tra­gen, aber nur sel­ten ver­tieft. Die his­torische Topografie der jew­eils behan­del­ten Städte wird meist sachkundig reflek­tiert und für den Reisenden von heute aktu­al­isiert. Dem Schu­mann-Touris­ten helfen Öff­nungszeit­en von Gedenkstät­ten, Stadt­pläne, Anfahrtshin­weise. Eine opu­lente Auswahl an zeit­genös­sis­chen und heuti­gen Fotos, Gemälden, Zeich­nun­gen und Stichen der beschriebe­nen Örtlichkeit­en (lei­der nur schwarz-weiß) macht das Buch zu einem schö­nen Geschenkband.
Mit diesem Wan­der­führer präsen­tiert sich das „Schu­mann-Net­zw­erk“, das mit seinem Inter­net-Por­tal (www.schumann-portal.de) eine vor­bildliche elek­tro­n­is­che Plat­tform für die Schu­mann-Forschung bietet. Seit 2006 finanzieren der Bund und die Träger ver­schieden­er Schu­mann-Insti­tu­tio­nen in Deutsch­land damit eine Struk­tur, die das Wis­sen über Schu­mann zu bün­deln weiß. Syn­ergieef­fek­te entste­hen, Dop­pelar­beit wird ver­mieden, die Schu­mann-Forschung hat, auch mit Hil­fe dieses Net­zw­erks, in den ver­gan­genen Jahren wichtige neue Impulse erhal­ten. Das Schu­mann-Por­tal ver­linkt alle wichti­gen elek­tro­n­is­chen Schu­mann-Seit­en, stellt aber auch Quell­texte wie das Schu­mann-Werkverze­ich­nis des MGG-Artikels oder die von Julia Nauhaus sogfältig erstellte Zeittafel zu Schu­manns Leben als Voll­text der Forschung zur Ver­fü­gung. Dieses Itin­er­ar run­det übri­gens auch diesen gedruck­ten Schu­mann-Reise­be­gleit­er sin­nvoll ab.
Katha­ri­na Hofmann