Haydn/Hummel/Mozart/Neruda

Trumpet Concertos

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Tudor 7169
erschienen in: das Orchester 04/2011 , Seite 72

Ohne jeden Zweifel: Joseph Haydns Trompe­tenkonz­ert in Es-Dur ist ein musikhis­torisch­er Meilen­stein. Nicht nur, dass es der Erfind­ung der Klap­pen­trompete huldigt. Das für den Wiener Trompeter Anton Wei­dinger Ende des 18. Jahrhun­derts geschriebene Werk hat durch seinen hohen tech­nis­chen und kün­st­lerischen Anspruch gepaart mit pub­likum­swirk-
samer Eingängigkeit entschei­den­den Anteil an der Emanzip­ierung der Trompete als kun­st­musikalis­ches Soloin­stru­ment im 20. Jahrhun­dert. Rund ein­hun­dert Jahre hat­te das Stück mit dem Kaiser­hym­nen-Motiv im Andante nach der Urauf­führung im Wiener Musikarchiv geschlum­mert. Doch seit sein­er Wieder­ent­deck­ung im Jahr 1908 scheint es so, als woll­ten die Trompeter die zehn Dekaden der Nich­tauf­führung durch Dauere­in­spielung wettmachen.
Nun hat sich also Gábor Tarkövi, seit 2005 Solotrompeter der Berlin­er Phil­har­moniker, auf der CD Trum­pet Con­cer­tos dieses Konz­ert-Klas­sik­ers angenom­men. Dabei präsen­tiert sich der Ungar, der zunächst Klavier und Klar­inette gel­ernt hat­te, als höchst feinsin­niger Inter­pret. Klare Klas­sik-Kon­tur zeich­net den ersten Satz mit sein­er sin­n­fäl­li­gen Dreik­langsmo­tivik aus. Kurz und präg­nant auch die Kadenz. Das Andante nimmt Tarkövi ohne jede roman­tisierende Lar­moy­anz. Hier besticht seine Stil­sicher­heit, im schwieri­gen drit­ten Satz wird sie noch durch tech­nis­che Akku­ratesse ergänzt. Nimmt man Hobo­ken 7e:1 als bewährte Kon­stante im Ven­til-Vir­tu­osen-Wettstre­it, braucht Tarkövi mit seinem angenehm weichen Ton und sen­si­bler Klan­gent­fal­tung keinen Ver­gle­ich zu scheuen.
Allein das eben­falls hier einge­spielte Trompe­ten-Konz­ert von Johann Nepo­muk Hum­mel ver­fügt nicht ganz über die Dra­matik, die man sich auf­grund des abrupten Tonarten­wech­sels sowie der marschar­ti­gen The­men und der dialoghaften Gestal­tung zwis­chen Soloin­stru­ment und Orch­ester gewün­scht hätte.
Dafür hat Leopold Mozarts in höch­ste Höhen führen­des Konz­ert für Trompete und Orch­ester musikalis­che Tiefe. Und Johann Bap­tist Georg (Jan Krti­tel Jiri) Neru­das Es-Dur-Konz­ert ver­mit­telt den nöti­gen musikan­tis­chen Dri­ve, der die Melo­di­en­vielfalt so richtig auf­blühen lässt.
Die Leichtigkeit und Frische, mit der Gábor Tarkövi hier auf­spielt, wird kon­ge­nial unter­stützt von den Bam­berg­er Sym­phonikern unter Karl-Heinz Stef­fens (bis 2007 Solo-Klar­inet­tist bei den Berlin­er Phil­har­monikern). Aus­ge­wogen wech­seln sie zwis­chen behut­samer Begleitung und part­ner­schaftlichem Konz­ertieren. Umso bedauer­lich­er, dass sich im Beglei­theft kein Wort zum Orch­ester find­et.
Sich­er gibt es – auch von den Tem­pi her – aufre­gen­dere Ein­spielun­gen, doch nur wenige, die in ihrer musikalis­chen Qual­ität so schnörkel­los und ehrlich sind.
Christoph Ludewig