Felix Draeseke

Symphonies op. 12 & 40/Piano Concerto op. 36/Symphonic Prologue „Penthesilea“/Overture „Gudrun“

Claudius Tanski (Klavier), Sinfonieorchester Wuppertal, Ltg. George Hanson

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Musikproduktion Dabringhaus und Grimm MDG
erschienen in: das Orchester 03/2018 , Seite 67

Felix Drae­seke zählt heutzu­tage vielle­icht nicht zu den präsen­testen spätro­man­tis­chen Sin­fonikern, aber er ist ein­er, und er ist ernst zu nehmen. Daran erin­nert das Label MDG, indem es jet­zt Auf­nah­men aus den Jahren 1999 und 2001 von Drae­sekes erster und drit­ter Sin­fonie, seines Klavierkonz­erts und zweier Ouvertüren neu erscheinen lässt. Vom musikalis­chen Stand­punkt aus ist das mehr als Wiederver­w­er­tung alter Auf­nah­men, denn die Dar­bi­etun­gen des Sin­fonieorch­esters Wup­per­tal unter George Han­son sind ein engagiertes und inter­pre­ta­torisch überzeu­gen­des Votum für Drae­sekes Musik.
Die Wup­per­taler bieten einen ziel­stre­bi­gen Ansatz ohne Pati­na, aber mit genug Gewicht, um Drae­sekes musikalis­che Ansprüche plau­si­bel zu machen. Das bewährt sich bei der Sym­pho­nia Trag­i­ca op. 40. Der Titel scheint Gewichtiges anzukündi­gen (eigen­willige Ironie, dass das Werk in C-Dur ste­ht), aber die Wup­per­taler lassen sich davon nicht zu bom­bastis­chem Musizieren ver­führen. Die Dar­bi­etung ist minu­tiös aus­gear­beit­et und inspiri­ert musiziert, das klan­gliche Ergeb­nis lässt sich gut und gern hören. Sprudel­nd, richtigge­hend quirlig kommt das Scher­zo daher, eben­so übri­gens wie das­jenige der G-Dur-Sin­fonie op. 12. Im „Grave“ über­schriebe­nen langsamen Satz der „tragis­chen“ Sin­fonie evoziert das feier­lich intonierende Blech dun­klen mar­tialis­chen Glanz, ohne dumpfe Schwere aufkom­men zu lassen. Solch­es Gle­ichgewicht von Dich­te und Trans­parenz überzeugt auch in den Eck­sätzen. Diese sub­stanziellen, jew­eils über zehn­minüti­gen sin­fonis­chen Gebilde erhal­ten den Raum, den sie brauchen, und wer­den zugle­ich intu­itiv ver­ständlich. Übri­gens stellen die Bei­heft­texte von Matthias Schäfers einen ergänzen­den Leit­faden durch Drae­sekes anspruchsvolle Konzep­tio­nen, etwa die der Trag­i­ca, bere­it – und zeigen neben­bei auch, ein wie gewandter Erläuter­er des eige­nen Werks Drae­seke war.
Inter­pre­ta­torisch sind die Auf­nah­men auf dieser Dop­pel-CD aus einem Guss; für die einge­spiel­ten Werke gilt das indes nicht. Gegenüber der geschlossen gear­beit­eten Sym­pho­nia Trag­i­ca fällt das Klavierkonz­ert op. 36 allzu deut­lich ab – der Haupt­grund ist der zu oft unverbindliche, ja unin­spiri­erte Klavier­part. Auf der Auf­nahme kann daran auch Claudius Tan­s­ki nichts ändern, wen­ngle­ich er und das Orch­ester bestrebt scheinen, den oft eher losen Bezug zwis­chen den Parts so eng und kom­mu­nika­tiv wie möglich zu gestal­ten. Im zweit­en Satz gelin­gen ein­dringliche Sit­u­a­tio­nen zwis­chen Bläsern und Klavier, die klan­glich fein aus­ge­hört und abges­timmt sind, aber der Solopart stört das Bild zugle­ich auch durch seine repet­i­tiv anmu­tende Fak­tur. Wenn man sich trotz­dem an solchen beina­he inti­men Sit­u­a­tio­nen erfreuen kann, liegt das gewiss auch an der ansprechen­den tech­nis­chen Real­isierung dieser Auf­nah­men: Das Klang­bild bringt Hell-Dunkel-Kon­traste schön zur Gel­tung, ist glasklar, aber nicht ohne Wärme.
Gero Schreier