Sinfonische Bläsermusik

Werke von Pavel Stanek, Percy Aldridge Grainger, Felix Mendelssohn Bartholdy, Friedrich Gulda und Leonard Bernstein

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Acousence ACO-CD 10305
erschienen in: das Orchester 03/2006 , Seite 88

Friedrich Gul­das Konz­ert für Vio­lon­cel­lo und Bla­sor­ch­ester ist ohne Zweifel das­jenige Stück auf dieser abwech­slungsre­ichen CD, das den Hör­er am meis­ten zum Schmun­zeln ver­führen wird. Sel­ten ist nicht nur die Kom­bi­na­tion von Cel­lo und Bla­sor­ch­ester, son­dern auch die Vielfalt der Stil­rich­tun­gen in dieser fün­f­sätzi­gen Kom­po­si­tion. Auf hin­reißend kun­stvolle Art wer­den die musikalis­chen Aus­flüge in Rock, Jazz, Klas­sik, Barock, Mil­itär­musik und volk­stüm­liche Blas­musik miteinan­der kom­biniert und par­o­diert.
An den Cel­lis­ten wer­den höch­ste spiel­tech­nis­che Ansprüche gestellt, mit sämtlichen Klang­far­ben des Stre­ichin­stru­ments wird ger­adezu jongliert. Vir­tu­os wird der dritte Satz „Caden­za“, Höhep­unkt des Konz­erts, von Jan Hen­drik Rübel darge­boten. Sein fein­nerviges und nuan­cen­re­ich­es Spiel ist ein­drucksvoll.
Ein­er ganz anderen Klangäs­thetik fol­gt der etwas restau­ra­tiv anmu­tende St. Thomas Choral mit feier­lich-ern­sthaftem Charak­ter von Pavel Stanek. Über langsam anschwellen­den Bläser­akko­r­den ent­fal­tet sich eine san­glich geführte Melodie im hohen Holz, die in eine glanzvolle Steigerung mün­det.
Lin­colnshire Posy gehört zu den Klas­sik­ern für großes Bla­sor­ch­ester. Der Aus­tralier Per­cy Aldridge Grainger schrieb das Werk, in dem er englis­che Folk­songs ver­ar­beit­ete, 1936 für ein Konz­ert der Amer­i­can Band­mas­ters Asso­ci­a­tion. Für Grainger stand die richtige Klang­mis­chung im Vorder­grund. Er orchestri­erte nur wenige Tak­te sein­er Kom­po­si­tio­nen und kom­binierte sie anschließend im Orch­ester, um die ver­schiede­nen Bläser­far­ben opti­mal nutzen zu kön­nen.
Die Ouvertüre für Har­moniemusik op. 24 kom­ponierte Felix Mendelssohn Bartholdy im Alter von 15 Jahren. Die Orig­i­nalver­sion für elf Instru­mente kon­nte er trotz wieder­holter Ver­suche nicht veröf­fentlichen. 1838 wurde das Werk von Mendelssohn selb­st für Bla­sor­ch­ester umin­stru­men­tiert. Die Kom­po­si­tion gehört zu den weni­gen orig­i­nalen Konz­ert­musiken, von Märschen abge­se­hen, die im 19. Jahrhun­dert für Bla­sor­ch­ester geschrieben wur­den.
Aus den reizvollen Melo­di­en von Leonard Bern­steins Musi­cal West Side Sto­ry schuf Gün­ther Gürsch ein sehr gelun­ge­nes Arrange­ment für sin­fonis­ches Bla­sor­ch­ester. Geschickt wer­den die Aus­drucksmöglichkeit­en der solis­tisch her­vortre­tenden Holz- und Blech­bläs­er genutzt, auch der homo­gene Ensem­bleklang ver­mag zu überzeu­gen. Bern­steins hochd­if­feren­zierte Melodik und Har­monik kom­men in den ver­schiede­nen Reg­is­tern überzeu­gend zur Gel­tung.
Mit rhyth­mis­ch­er Präzi­sion und leb­haft-schwungvoller Gestal­tung dieser in Stil, Zugriff und Kom­po­si­tion­stech­nik äußerst indi­vidu­ellen Stücke erre­icht das Lan­despolizeiorch­ester Bran­den­burg unter der Leitung des jun­gen Diri­gen­ten Peter Vierneisel ein wirk­lich schönes Ergeb­nis!
Juliane Bal­ly