Maric, Ljubica

Ostinato super Thema Octoicha (1963)

für Klavier, Harfe und Streichorchester

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Furore, Kassel 2010
erschienen in: das Orchester 02/2011 , Seite 71

Lju­bi­ca Mar­ic, geboren 1909 in Kragu­jew­ac (Ser­bi­en), studierte in Bel­grad Vio­line und Kom­po­si­tion. Nach dem Abschluss set­zte sie ihr Studi­um am Staatlichen Kon­ser­va­to­ri­um in Prag bei Josef Suk und Aloys Hába fort. Ihre Werke aus dieser Zeit wur­den in Konz­erten Europas enthu­si­astisch aufgenom­men. Nach ihrer Rück­kehr nach Jugoslaw­ien unter­richtete sie Musik­the­o­rie an der Musikakademie in Bel­grad. In dieser Zeit wid­mete sich Lju­bi­ca Mar­ic? der Erforschung alter ortho­dox­er Kirchen­musik und der ser­bis­chen Volksmusik. Darüber hin­aus ent­standen ihre bedeu­tend­sten Kom­po­si­tio­nen, unter anderem das Osti­na­to super The­ma Octo­icha für Klavier, Harfe und Stre­i­chorch­ester. „Ohne in irgen­dein­er Weise zu ver­suchen, die musikalis­chen Ein­drücke ver­gan­gener Zeit­en wieder­herzustellen, sieht die Kom­pon­istin in diesen Ele­menten nur eine med­i­ta­tive Stim­ulierung ihrer eige­nen Kreativ­ität. Sie ist die erste Kom­pon­istin in der Musikgeschichte, welche die Kirchen­musik (hier die byzan­ti­nis­che Musik) für die Schaf­fung nicht litur­gis­ch­er Kom­po­si­tio­nen nutzt“,
so Auszüge aus ihrer Biografie. Lju­bi­ca Mar­ic starb 2003 in Bel­grad.
Die Par­ti­tur – der Druck ist sauber und gut les­bar, die Texte sind zweis­prachig – wirft einige Fra­gen auf: Im Titel ste­ht mit Recht an erster Stelle das Klavier, das auss­chließlich im Osti­na­to spielt. In der Par­ti­tur jedoch sehen wir an erster Stelle den Har­fen­part – warum? Außer­dem sind einige Vorze­ichen in der Har­fen­stimme nicht sin­nvoll: entwed­er über­flüs­sig oder am falschen Platz, z.B. in den Tak­ten 71, 106 und 111.
Die Urauf­führung des vor­liegen­den Werks fand 1963 zum Warschauer Herb­st statt, gespielt vom Ensem­ble „Slavko Osterch“. Im Vor­wort der Par­ti­tur lesen wir ein Zitat der Kom­pon­istin über die Spiel­weise des Klavier­parts. Darin heißt es unter anderem: „Obwohl er tech­nisch ein­fach ist, muss er mit großer Ruhe und Gle­ich­mäßigkeit vor­ge­tra­gen wer­den, unab­hängig von dem, was im Orch­ester vor sich geht. Das lässt sich nur erre­ichen, wenn auf Auf­dringlichkeit­en jed­er Art oder roman­tis­ches Gehabe verzichtet wird.“ In diesem Sinn soll­ten auch die übri­gen Instru­mente das Werk musikalisch ver­ste­hen und dementsprechend spie­len.
Alle Parts sind tech­nisch ein­fach und musikalisch gle­ich­berechtigt. Der Harfe wid­met Mar­ic? ein sehr klangvolles fün­f­tak­tiges Akko­rd-Solo im ad libi­tum. Die Kom­pon­istin verzichtet darüber hin­aus auf jegliche Art von Effek­ten. Durch eine herkömm­liche Nota­tion ist es möglich, vie­len Spiel­ern das Stück zugänglich zu machen. Dieses cir­ca sieben­minütige Osti­na­to sollte nicht in Vergessen­heit ger­at­en.
Mar­i­on Hofmann