Heister, Hanns-Werner / Walter-Wolfgang Sparrer (Hg.)

Komponisten der Gegenwart

50. bis 52. Nachlieferung (Insgesamt: 9 Loseblattordner, 10688 S.)

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Edition Text + Kritik, München 2013/2014
erschienen in: das Orchester 05/2015 , Seite 67

Seine fün­fzig­ste Nach­liefer­ung kon­nte das seit 1992 erscheinende Lose­blat­tlexikon Kom­pon­is­ten der Gegen­wart inzwis­chen feiern. Noch immer präsen­tiert es sich in dieser durch den Fortschritt der Medi­en­tech­nik fast schon über­holten äußeren Form, die, auf neun Ord­ner angewach­sen, inzwis­chen fast siebzig Bücher­re­gal-Zen­time­ter ein­nimmt. Der Nutzer muss entschei­den, ob er für das abse­hbare weit­ere Wach­s­tum Platz hat, oder ob er auf die unter www.nachschlage.net zugängliche Online-Ver-
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Je weit­er das Pro­jekt voran­schre­it­et, desto mehr dehnt sich der „Gegenwarts“-Begriff nach rück­wärts aus. Mehrere Kom­pon­is­ten, die im frühen 20. Jahrhun­dert aktiv waren und noch im 19. geboren wur­den, erfahren jet­zt erst ihre aus­führliche Würdi­gung. Dazu gehören Ernest Bloch, dessen Schaf­fen mit Aus­nahme der Werke mit jüdis­ch­er The­matik nach wie vor wenig ver­bre­it­et ist; Alexan­der Skr­jabin mit seinem visionären, die Musik über­schre­i­t­en­den Mys­te­rien-Konzept; und Charles Ives, dessen radikal eigen­ständi­ge Mod­erne sich vor allem als Nach­wirkungs­geschichte ent­fal­tete. Nachvol­lziehbar ist es, dass im Fall Ives’ die KdG-Nor­men durch­brochen wer­den: Der unüber­sichtlichen Quel­len­lage wegen ist das Werkverze­ich­nis nicht chro­nol­o­gisch, son­dern nach Gat­tun­gen gegliedert.
Man sollte nicht glauben, wie oft im ver­meintlich gut doku­men­tierten 20. Jahrhun­dert auch son­st Unklarheit­en beste­hen bleiben: etwa bei Con­lon Nan­car­row (bei dem jet­zt ein umfan­gre­ich­er Blät­ter­aus­tausch Feinko­r­rek­turen vorn­immt) oder im Falle André Prévins, dessen früh­es Film­musikschaf­fen vor Beginn sein­er Diri­gen­tenkar­riere nicht leicht zu erfassen ist.
Zu den weit­eren Musikschaf­fend­en, die jet­zt aus­führlich gewürdigt wer­den, gehören John Adams, Johannes Kalitzke, Gerd Kühr, Gra­ciela Paraske­vaidis, Cer­gio Pru­den­cio, Hora?io Rad­ules­cu, Gali­na Ustvol­ska­ja und Kevin Volans. Im Falle des in den ver­gan­genen Jahren im hiesi­gen Musik­leben neu ent­deck­ten Mieczys­law Wein­berg liegt immer­hin ein mühevoll recher­chiertes Werkverze­ich­nis vor. Bei den aus­führlich­er dargestell­ten wie auch bei den wenig­stens mit zwei­seit­i­gen „Grund­blät­tern“ neu aufgenomme­nen Kom­pon­is­ten fällt wieder die bre­ite Streu­ung auf, die kein­er­lei stilis­tis­che oder geografis­che Schranken ken­nt.
Wie immer gehört zur Stan­dar­d­ausstat­tung der einzel­nen Kom­pon­is­ten-Porträts eine Vielzahl abschließen­der Verze­ich­nisse: Aufge­lis­tet wer­den in Auswahl Selb­stzeug­nisse und Schriften über die Kom­pon­is­ten, Disko­grafien und Fil­mo­grafien. Dass die Bib­li­ografien außer auf gedruck­te Infor­ma­tio­nen zunehmend auf Web­sites ver­weisen: Auch dies ist ein Zeichen des Umbruchs im fortschre­i­t­en­den Infor­ma­tion­szeital­ter.
Ger­hard Dietel