Im Arm der Liebe – Love’s Embrace

Orchesterlieder von Joseph Marx, Walter Braunfels, Erich Wolfgang Korngold und Hans Pfitzner

Rubrik: CDs
Verlag/Label: BRKlassik
erschienen in: das Orchester 04/2018 , Seite 67

Ein reizvolles, weil auss­chließlich aus Rar­itäten beste­hen­des Pro­gramm bieten Juliane Banse und Münchens erstes Orch­ester, wenn es um Reper­toire­vielfalt und musikalis­chen Anspruch geht, und dieses Pro­gramm wird in per­fek­ter Qual­ität darge­boten. Einen her­rlichen Strauß binden die Musik­er unter der Leitung Sebas­t­ian Wei­gles.
Banse, beson­ders gut in unbekan­nterem und schwierigem Reper­toire, hält die sieben Orch­ester­lieder des Graz­ers Joseph Marx wohltuend frei von flachem Effekt, lässt vielmehr ihre Stimme im best­möglichen Sinne erblühen; neben wun­der­baren „Jubeltö­nen“ weiß sie eine Vielzahl an Farb­nu­an­cen zu erzeu­gen und weiß so auch ihre nicht ganz so stark aus­geprägten ganz tiefen Reg­is­ter effek­tvoll einzuset­zen. Ihre Opern­er­fahrung kann sie hier klug ein­set­zen – das sind keine Minia­turen mit Klavier mehr, das sind kleine Dra­men, mal eher lyrisch, mal drama­tisch gestal­tet durch die Sän­gerin und das delikat, nie unan­genehm überdeck­ende Orch­ester in bester Part­ner­schaft. Die Auf­nah­me­tech­nik und das Münch­n­er Rund­funkstu­dio helfen bei der Gestal­tung eines war­men, sorgsam aus­tari­erten, klaren Gesamtk­langs.
Kommt Marx gele­gentlich fast non­cha­lant daher, so sind die vier Orch­ester­lieder aus op. 9 (1911) von Erich Wolf­gang Korn­gold ern­ster­er Natur, in denen Banse beson­ders auch ihre Pianokul­tur ent­fal­ten kann. Stets vor­bildlich ist ihre Textver­ständlichkeit – eine Qual­ität, die heute doch viel zu häu­fig in den Hin­ter­grund ger­at­en ist.
Die Konkur­ren­zein­spielung der Drei chi­ne­sis­chen Gesänge op. 19 von Wal­ter Braun­fels (1914) über­flügelt sie durch nicht nur kluge Gestal­tung und sorgsam aus­gear­beit­ete Textgestal­tung, son­dern auch durch bewussten Klang­far­benein­satz, der auch im Orch­ester­part intel­li­gent aufge­grif­f­en wird. So erhal­ten wir hier eine Art (gar nicht so exo­tis­tisch-chi­ne­sis­ches) kleines Gesamtkunst­werk.
1977 nahm Diet­rich Fis­ch­er-Dieskau in München eine Langspielplat­te mit Orch­ester­liedern Hans Pfitzn­ers auf – die hier von Banse vorgelegten fünf Lieder ergänzen die vierzig Jahre alte Pro­duk­tion kon­ge­nial, nicht nur weil sich kein­er­lei Duplizierung ergibt, son­dern vor allem auch, weil Banse von der musikalis­chen Intel­li­genz und vokaldrama­tis­chen Gestal­tung kein­er­lei Ver­gle­ich scheuen muss. Vielle­icht am span­nend­sten von den Pfitzn­er-Liedern ist Venus mater op. 11 Nr. 4, unter dem Titel Wiegen­lied („Träume, träume, du mein süßes Leben“) weitaus bekan­nter in der Ver­to­nung von Richard Strauss (eben­so wie Strauss’ Wald­seligkeit weitaus bekan­nter ist als Marx’ Ver­to­nung des gle­ichen Textes).
Ins­ge­samt haben wir hier also eine run­dum gelun­gene Ein­spielung, bei der nur der Book­let­text lei­der etwas abfällt (dem auch die Gesang­s­texte fehlen).
Jür­gen Schaar­wächter