Werke für Stimme und Instrumente von Spohr, Saint-Saëns, Massenet und anderen

Hymne à la beauté

Sonja Leutwyler (Mezzosopran), Astrid Leutwyler (Violine), Benjamin Engeli (Klavier)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Solo Musica/Sony Music
erschienen in: das Orchester 1/2019 , Seite 74

Schön­heit hat ein passendes Ver­hält­nis zum Göt­tlichen und sorgt beim Men­schen für Freude und Offen­heit.“ Pla­ton hat in ein­fache Wor­te gek­lei­det, was für diese Neuer­schei­n­ung mot­to­gebend war. Unter dem Titel Hymne à la beauté vere­inen die zwei Musik­erin­nen Son­ja Leutwyler (Mez­zoso­pran), Astrid Leutwyler (Vio­line) und der Musik­er Ben­jamin Engeli (Klavier) Werke für Mez­zoso­pran, Stre­ich­er und Klavier von der Frühro­man­tik bis zum Heute und span­nen einen Bogen von Brahms und Spohr über Jules Massenet und Saint-Saëns, Ottori­no Respighi, Charles Ives, den weniger bekan­nten Czesław Marek und Felix Petyrek bis hin zum 1970 gebore­nen Mar­tin Wettstein.
Nach einem Gedicht von Char­les Baude­laire kom­ponierte der Schweiz­er Kom­pon­ist eigens für das Trio diese Hymne, wobei es sich hier eher um eine 14 Minuten währende düstere Schön­heit han­delt, die mit vie­len har­monis­chen Schat­tierun­gen und schnell wech­sel­nden Rhyth­men hier­hin und dor­thin lockt. Wun­der­bar das Non­vi­bra­to der Vio­line, die fahle Tonge­bung. Auch der Dia­log zwis­chen den Instru­menten ist gelun­gen.
Als High­light dieser Ein­spielung empfinde ich jedoch die Zwei Gesänge op. 91 von Johannes Brahms. Hier gesellt sich Han­na Wein­meis­ter zum Klavier-Gesang-Duo. Mit weich­er Tiefe stellt sie das hochro­man­tis­che The­ma der „Gestill­ten Sehn­sucht“ vor, das Stimme und Piano weit­er­führen. Lei­der ist der Text, wie auch bei all den anderen Piecen, nicht nachvol­lziehbar, weil Son­ja Leutwyler – zwar mit in allen Lagen aus­bal­anciertem samti­gen Tim­bre – vor allem die helleren Vokale kaum zum Leucht­en, die Kon­so­nan­ten wenig zum Klin­gen bringt.
Der anschließende Son­nenauf­gang von Charles Ives ist die let­zte Kom­po­si­tion des Amerikan­ers. Sie begin­nt, das erste Tages­licht skizzierend, beina­he aus dem Nichts mit leeren, hohen Fla­geo­lett­tö­nen der Vio­line, um sich dann chro­ma­tisch, nicht ohne Län­gen, eng um ein tonales Zen­trum zu bewe­gen.
Schlusspunkt der CD bildet Respighis Il Tra­mon­to. In ein­er Vier­tel­stunde wird in ein­er Fas­sung für Gesang und Stre­i­chorch­ester – hier das an vie­len Stellen her­vor­ra­gend zusam­men­spie­lende Lumi­na Quar­tett – eine opern­hafte Miniaturszene dargestellt, in der sich der Haupt­pro­tag­o­nist kurz vor seinem Tod beim aufge­hen­den Mond gewahr wird, die Sonne nie wirk­lich gese­hen zu haben.
Lei­der fehlte mir diese während des Hörens dieser 74 Minuten auch weit­ge­hend. Bis auf ein paar wenige Momente der Freude, wie etwa bei Spohrs Abend­stille, ver­mocht­en die aus­gewählten Stücke nicht, wie Pla­ton im Book­let zitiert, etwas in mir zu öff­nen. Sie sind sauber, präzise und auf hohem Niveau ein­wand­frei musiziert, inter­pretiert und intoniert; doch ich ver­misse den über­sprin­gen­den Funken, ein inneres Berührtwer­den, mutige emo­tionale Pas­sagen, die weniger Wert auf Per­fek­tion denn auf einen unbe­d­ingten Gefühlsaus­druck leg­en und so den Hör­er in ihren Bann ziehen und zum Mitschwin­gen, Mit­fühlen, Mit­freuen ein­laden.
Kathrin Feld­mann