Mahnkopf, Claus-Steffen

Hommage à Steven Kazuo Takasugi

für Klavierquartett, Partitur

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Sikorski, Hamburg 2010
erschienen in: das Orchester 04/2011 , Seite 70

Die Beset­zungs­beze­ich­nung „Klavierquar­tett“ ist im Fall von Claus-Stef­fen Mahnkopfs Hom­mage à Steven Kazuo Taka­su­gi dur­chaus ein wenig irreführend, wenn man sich die der Par­ti­tur vor­angestell­ten aus­führlichen Spielan­weisun­gen des Kom­pon­is­ten, einem Schüler unter anderem von Klaus Huber und Bri­an Fer­ney­hough und aktuell Pro­fes­sor für Kom­po­si­tion an der Leipziger Musikhochschule, durch­li­est – und wenn man sich auf das allein schon optisch aufre­gende Noten­bild konzen­tri­ert. Mehr als um ein Quar­tett geht es hier um die zwei Klang­wel­ten von Klavier und Stre­ichtrio, die nebeneinan­der ste­hen, sich gegen­seit­ig bee­in­flussen, sich teil­weise ver­schränken und die dur­chaus im Wet­tbe­werb miteinan­der ste­hen.
Bevor Claus-Stef­fen Mahnkopfs Hom­mage jedoch von vier Musik­ern aufge­führt wer­den kann, ist zunächst das Klavier mit Tüch­ern und Gewicht­en und gegebe­nen­falls mit Kle­be­band zu prä­pari­eren. Umfan­gre­iche Vor­bere­itun­gen erfordert das hochkom­plexe Noten­bild auch bei den Stre­ich­ern: Zahlre­iche Vorschriften zur konkreten Klangerzeu­gung wollen ver­standen und adäquat auf die Kom­po­si­tion angewen­det wer­den. Dabei ent­fer­nt sich der Stre­icher­ton kon­se­quent von sein­er klas­sis­chen Aus­prä­gung, wer­den Vio­line, Bratsche und Vio­lon­cel­lo vielmehr zu „Schlagzeugern“, die ein hochkom­plex­es, vield­imen­sion­ales und dynamisch vielfach aufge­ladenes Klanggeschehen erzeu­gen. Fast scheint es, als wür­den sich bei genauerem Hin­se­hen (und wahrschein­lich auch beim Hin­hören während ein­er Auf­führung) immer feinere Struk­turen erschließen.
Gewiss wird es dem Aus­führen­den wie dem Zuhör­er schw­er fall­en, in dem 2005 ent­stande­nen und im sel­ben Jahr auch vom renom­mierten Ensem­ble Recherche beim Flan­dern-Fes­ti­val uraufge­führten Werk ad hoc inner­halb der einzel­nen Abschnitte großflächige Struk­turen zu iden­ti­fizieren; die äußere Gliederung erfol­gt durch acht Abschnitte in den Stre­ich­ern: fünf ganz kurze „Frag­mente“ und drei daraus erar­beit­ete „Entwick­lun­gen“. Dieses äußere Geschehen spielt sich vor dem Hin­ter­grund der fast durch­weg präsen­ten Klavier­stimme ab. Inner­halb der einzel­nen Abschnitte fällt dann vor allem die feine Kör­nung des musikalis­chen Geschehens in den drei Ste­ich­er­stim­men auf.
Zur Bele­bung des hier von Claus-Stef­fen Mahnkopf geschaf­fe­nen hoch abstrak­ten Klan­graums ist ein erstk­las­siges Kön­nen der vier Inst­rumen­ta­lis­ten erforder­lich. Präzi­sion und ein feines Gespür für die geforderten klan­glichen Abstu­fun­gen wer­den vom Kom­pon­is­ten voraus­ge­set­zt, um seine enorm detail­re­iche Hom­mage an den Kom­pon­is­tenkol­le­gen Steven Kazuo Taka­su­gi tiefen­scharf und kon­trastre­ich ausleucht­en zu kön­nen.
Daniel Knödler