Wagner, Richard

Das Rheingold

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Oehms Classics OC 935
erschienen in: das Orchester 05/2011 , Seite 73

Gle­ich aus mehreren Opern­häusern erscheinen zurzeit Neupro­duk­tio­nen von Wag­n­ers Ring des Nibelun­gen als Mitschnitt auf CD oder DVD. So sin­nvoll es sicher­lich ist, spek­takuläre szenis­che Lösun­gen wie die von „La Fura dels Baus“ aus Valen­cia größeren Pub­likum­skreisen zugänglich zu machen, so sehr muss man sich fra­gen, ob es wirk­lich notwendig ist, jeden neuen Ring auf CD, also aufs Akustis­che reduziert, zu veröf­fentlichen.
Der Ham­burg­er und der Frank­furter Ring erscheinen nun sog­ar bei dem gle­ichen Label, näm­lich Oehms Clas­sics. Natür­lich spielt da auch Lokalpa­tri­o­tismus eine gewisse Rolle; als Spon­sor der Frank­furter Auf­führung wird im Book­let „kul­tur­fonds frank­furt rhein­main“ genan­nt.
Keineswegs selb­stver­ständlich ist es, dass sich die Frank­furter Auf­nahme des Rhein­gold über­haupt nicht hin­ter der aus Ham­burg ver­steck­en muss. Ganz im Gegen­teil: Frank­furt bietet ein homo­generes Solis­ten-Ensem­ble und das bessere Orch­ester. Es ist schließlich kein Zufall, dass das Frank­furter Opern- und Muse­um­sor­ch­ester zum zweit­en Mal hin­tere­inan­der bei ein­er Kri­tik­er-Umfrage der Zeitschrift Opern­welt zum „Orch­ester des Jahres“ gewählt wurde.
Seine Qual­itäten kann das Orch­ester nun auch im Rhein­gold voll ausspie­len: Ein trans­par­enter, homo­gen­er Klang, unter­stützt durch eine per­fek­te Ton­tech­nik, sowie traumhafte Übergänge (Wal­hall-The­ma zu Beginn des zweit­en Bildes!) zeu­gen von dem außeror­dentlichen Niveau, auf dem man hier musiziert. Das ist zu einem Großteil natür­lich auch das Ver­di­enst des Diri­gen­ten Sebas­t­ian Wei­gle, der einen kam­mer­musikalisch durch­struk­turi­erten Klang anstrebt und dabei eher getra­gene Tem­pi bevorzugt. Das muss per se noch kein Nachteil sein; an zwei Schlüs­sel­stellen erweist er sich damit aber einen Bären­di­enst: Wenn er bei „Immer ist Undank Loges Lohn“ schon sehr langsam anfängt, ist es schw­er möglich, einige Tak­te später die Par­ti­tu­rangaben „langsamer“, dann „immer bre­it­er“ und schließlich „sehr bre­it“ schlüs­sig umzuset­zen. Auch Alberichs Fluch ist zu zerdehnt, wirkt wenig gefährlich, fast gemütlich. Ob es vielle­icht auch durch die Insze­nierung bed­ingt ist, dass diese Stellen so langsam genom­men wer­den, kann man der CD natür­lich nicht anhören. Jeden­falls ist es schade, weil dadurch die Sänger sowohl des Alberich (Jochen Schmeck­en­bech­er) als auch des bril­lanten Loge (Kurt Stre­it) an diesen entschei­den­den Stellen ihre Möglichkeit­en nicht voll auss­chöpfen kön­nen.
Über­haupt bietet die Pro­duk­tion bei den Sängern ein erfreulich hohes Niveau ohne Aus­fälle. Lei­der ist es nicht möglich, hier alle Solis­ten zu würdi­gen, und so sei neben den bei­den bere­its genan­nten nur noch das Göt­ter­paar erwäh­nt: Ter­je Stensvold lässt bere­its durch sein eher lyrisches Tim­bre erken­nen, dass Wotan eben kein Despot ist, und Mar­ti­na Dike zeigt als Fric­ka mit sonorem Mez­zo wirkungsvoll, wer im Hause Wal­hall die Hosen anhat (in der Walküre wird sie dazu sich­er noch mehr Gele­gen­heit haben).
Ins­ge­samt eine ein­drucksvolle CD-Ein­spielung, die das Niveau der Frank­furter Oper auch über­re­gion­al bestens doku­men­tiert.
Thomas Lang