Dmitri Shostakovich

Complete Chamber Music for Piano and Strings

DSCH – Shostakovich Ensemble

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Paraty
erschienen in: das Orchester 06/2019 , Seite 67

Das als solch­es noch nicht beson­ders bre­it bekan­nte, im Jahre 2006 von dem por­tugiesis­chen Pianis­ten Fil­ipe Pin­to-Ribeiro in Liss­abon ­gegrün­dete DSCH-Shostakovich Ensem­ble (mit seinen aber immer­hin recht bekan­nten Mit­gliedern Isabel Chari­sius, die als Vio­lin­istin bis 2008 im leg­endären Alban Berg Quar­tett mitwirk­te, und dem Cel­lis­ten Adri­an Bren­del) hat sich durch seine Namensge­bung zum Anwalt des – ich wage es, so weit zu gehen – neben Tschaikowsky bedeu­tend­sten rus­sis­chen ­Kom­pon­is­ten aufgeschwun­gen und dem Ensem­ble­na­men die Ini­tialen des Kom­pon­is­ten in deutsch­er musikalis­ch­er Notenum­schrift vor­angestellt.
Ohne große Umschweife lässt sich fest­stellen, dass sich eine bessere Anwaltschaft als diese derzeit selb­st in der Ersten Liga der Kam­mer­musik kaum find­en lassen wird.
Das hier einge­spielte Gesamtwerk Schostakow­itschs für die Beset­zung von Klavier mit Stre­ich­ern stellt einen fast lück­en­losen Quer­schnitt durch das musikalis­che Leben des Kom­pon­is­ten dar, ange­fan­gen mit dem zu ­Beginn der 20er Jahre ent­stande­nen Klavier­trio Nr. 1 über die berühmt ­gewor­de­nen Opera 57 (Klavierquin­tett) und 67 (Klavier­trio Nr. 2) bis hin zu der 1975 und somit kurz vor seinem Tode ent­stande­nen Vio­la-Sonate op. 147.
Dass Schostakow­itsch selb­st ein beg­nade­ter Pianist gewe­sen ist, merkt man jed­er sein­er Schöp­fun­gen an – auch wenn die anderen beteiligten Ins­trumente in ihrem Anspruch kaum zurück­ste­hen.
Auf eine beson­dere Weise haben alle hier einge­spiel­ten Werke eine auto­bi­ografis­che Bedeu­tung oder Beziehung, scheinen sie doch alle ganz expres­siv die (auch poli­tis­chen) Höhen und Tiefen dieses Kom­pon­is­ten­lebens nachzuze­ich­nen. Dafür ste­ht ganz beson­ders das 1944 kom­ponierte Klavier­trio mit seinem Höch­st­maß an Emo­tion­al­ität, die auf die damals durch die Gräuel des Krieges und gle­ichzeit­ig durch den Tod seines Fre­un­des, des Musik­wis­senschaftlers Ivan Sollertin­skij, her­vorgerufene tiefe Trau­rigkeit Schostakow­itschs ver­weist. Man lenke sein Ohren­merk in diesem Zusam­men­hang ein­fach nur ein­mal auf den drit­ten Satz, das Largo.
Ander­er­seits sein im Jahr 1940 ent­standenes Klavierquin­tett, das mit Fug und Recht mit einem bere­its an Beethoven vergebe­nen Namen über­schrieben wer­den kön­nte: „Gassen­hauer“; der vierte Satz, das Scher­zo, brachte es sein­erzeit dazu, auf Moskaus Straßen vielfach gep­fif­f­en zu wer­den! Bei­de Werke stellen auf diesen mit Höhep­unk­ten nur so gespick­ten CDs die Pri­mi inter pares dar.
Die hier ver­sam­melten Werke enthal­ten alle nur denkbaren See­len­far­ben. Und diese wiederum wer­den durch die beteiligten Musik­er der­art zum Leucht­en gebracht, dass man es ein­fach nur wieder ein­mal bedauern kann, dass Alfred Nobel in seinem berühmten Nach­lass die Musik­er nicht berück­sichtigt hat. Hier wären die diesjähri­gen Kan­di­dat­en! Aber vielle­icht „erbar­men“ sich ja der Gram­my oder der neu geschaf­fene Opus Klas­sik dieser bemerkenswerten CD-Pro­duk­tion.
Friede­mann Kluge