Grodner, Murray

A Double Bassist’s Guide

to Refining Performance Practices

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Indiana University Press, Bloomington/ Indianapolis 2013
erschienen in: das Orchester 01/2014 , Seite 72

Mur­ray Grod­ner ist ein Grand­seigneur der amerikanis­chen Kon­tra­bassis­ten-Zun­ft. Er spielte an führen­der Posi­tion beim Pitts­burgh Sym­pho­ny noch unter Fritz Rein­er und beim NBC Sym­pho­ny unter Arturo Toscani­ni, Solostellen bei anderen Orch­estern und Kam­merorch­estern fol­gten. Seine prak­tis­chen Erfahrun­gen set­zte er um in zahlre­ichen Pub­lika­tio­nen und Artikeln in den gängi­gen Fachzeitschriften in den USA. Lange Jahre war er zudem Kon­tra­bass-Pro­fes­sor an der Jacobs School of Music an der Indi­ana Uni­ver­si­ty in Bloom­ing­ton.
Jet­zt veröf­fentlichte der 91-Jährige einen Führer zur Verbesserung der Auf­führung­sprax­is und brachte darin die Summe seines Wis­sens und Kön­nens unter. Das 156 Seit­en starke Heft ist bish­er nur in englisch erschienen, eine Über­set­zung würde sich sich­er lohnen. Sehr dezi­diert analysiert Grod­ner zunächst auf reinen Text­seit­en alle Fra­gen des Kon­tra­bassspiels. Er unter­sucht dabei z.B. die Bewe­gung des linken Arms und der Hand, das Vibra­to, den Bogen-Arm, die Ton­erzeu­gung. Zugle­ich zeigt er dabei zahlre­iche Prob­lem­lö­sun­gen auf, die sich bei all den Fra­gen ergeben.
Im zweit­en Kapi­tel begin­nt der Noten­teil. Zunächst geht es los mit ganz essen­ziellen Bogen-Übun­gen, die an Umfang und Schwierigkeit zunehmen. Immer gibt es dazwis­chen erk­lärende Hin­weise. Grod­ner ist ein Ver­fechter des ständi­gen Ton­leit­er­spie­lens zur Verbesserung von Tech­nik und Into­na­tion. Seine Dur- und Moll-Skalen über zwei Oktaven sind mit Fin­ger­sätzen verse­hen, die nicht nur für den Anfänger gedacht sind. Im Anschluss daran gibt es zahlre­iche sin­fonis­che Orch­ester­stellen der heiklen Art, für die er tech­nis­che Lösun­gen anbi­etet.
Der ganze dritte Teil beschäftigt sich mit all­ge­meinen Kon­tra­bass-Fra­gen. Da geht es u.a. um die alte Diskus­sion, ob man die deutsche oder die franzö­sis­che Bogen­hal­tung favorisieren soll oder wie sehr Kam­mer­musik die tech­nis­che und musikalis­che Entwick­lung befördert. Dazu kom­men dann amerikanisch-spez­i­fis­che Organ­i­sa­tions­fra­gen, wo man das Instru­ment ler­nen kann und wie die Chan­cen für eine beru­fliche Kar­riere ste­hen. Kurz vor Schluss kommt dann die gehobene Prax­is. Auf zwei Seit­en gibt es zunächst das Präludi­um der zweit­en Cel­lo-Solo­suite von Bach, danach fol­gen die kom­plet­ten Solostim­men des Drag­onet­ti-Konz­erts in G‑Dur und des Kous­se­vitzky-Konz­erts op. 3. Hier bietet der Autor Phrasierungsvorschläge an, aber keine Fin­ger­sätze.
Im fün­ften und let­zten Kapi­tel beschäftigt sich der Pro­fes­sor noch ein­mal mit ganz prak­tis­chen Fra­gen. Zum Beispiel geht er dem Pult-Teilen bei Bassis­ten nach, das nicht sel­ten zu Seh­prob­le­men führt. Viel Raum nimmt sich Grod­ner auch für den Auf­bau der Muskeln und für die Sta­bil­ität des Muske­lap­pa­rats.
Diese neue Veröf­fentlichung ist sich­er hil­fre­ich für jeden Bass-Studieren­den. Die Text- und Noten­beispiele sind nicht ganz auf dem neuesten Stand, die Her­aus­forderun­gen für einen heuti­gen Bassis­ten sind heute oft ganz andere. Den­noch hat dieser inten­sive Blick auf das Ganze seine Aktu­al­ität nicht ver­loren.
Wolf­gang Teubner